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Geschichte & Kultur

Die Bahamas – wilde Geschichte und heiße Rhythmen

Die erste Besiedelung der Bahamas fand wohl im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus statt - Werkzeuge, Knochen und Töpferware sind die Zeugen der frühen Bewohner. Eine Vielzahl der Inseln wurde allerdings erst im 9. und 10. Jahrhundert dauerhaft von Indianerstämmen besiedelt.

Bahamas Geschichte & Kultur - Kolonialhäuser auf Harbour Island Foto: Greg Johnston/Bahamas Tourist Office
Bahamas Geschichte & Kultur - Kolonialhäuser auf Harbour Island
Foto: Greg Johnston/Bahamas Tourist Office

 
Damals floh der zum Volk der Arawak gehörende Stamm Lucayan, auch „Lucca-Cairi“ („Inselleute“) genannt, vor den Kariben und ließ sich auf den Bahamas nieder. Bei der Ankunft von Christoph Kolumbus im Jahre 1492 lebten rund 40.000 Lucayer auf den ca. 700 Inseln, die jedoch im Laufe der Zeit versklavt und nach Hispaniola verschleppt wurden.Aufgrund der kaum landwirtschaftlich nutzbaren Flächen bevölkerten die Spanier die Inseln allerdings nicht, sodass Karl I. die Bahamas 1629 für England beanspruchte. Einige Jahre später besiedelten die „Euletheran Adventurers“, eine Gruppe englischer Puritaner, eine der Inseln, die seitdem ihren Namen trägt: Eleuthera. Die religiös verfolgte Glaubensgemeinschaft suchte Freiheit auf der Insel, musste aber ihre Siedlung aufgrund von Versorgungsschwierigkeiten bald wieder aufgeben und umsiedeln. So entstanden die neuen Orte New Providence und Charles Town.

Von Piraten und Schmugglern

Im späten 16. Jahrhundert brachen dann wilde Zeiten für die Bahamas an: Piraten entdeckten die ausgezeichneten geografischen Bedingungen der Inseln für ihre Raubzüge. Denn um die sogenannte Floridastraße, den Schiffsweg zwischen Florida und Kuba, zu passieren, mussten die meist spanischen Handelsschiffe die Gewässer der Bahamas durchqueren. Die Freibeuter lockten die voll beladenen Schiffe unter anderem mit falschen Lichtsignalen in die seichten Gewässer rund um die Inseln, wo sie dann auf Grund liefen und somit leichte Beute waren. Ebenso machten sie sich die zahlreichen Korallenriffe zu Nutze, die für wenig ortskundige Seefahrer zum Verhängnis werden konnten. Ihre Verstecke hatten die Piraten in den schmalen Kanälen und verborgenen Buchten – ein ausgezeichnetes Revier für die Schrecken der Meere!

Auch die 1670 als Handelsstützpunkt gegründete Stadt Nassau war bald Anlaufpunkt für Freibeuter. Legendäre Piraten wie Blackbeard, Henry Morgan und Calico Jack trieben rund 40 Jahre ihr Unwesen in den Gewässern um New Providence, bis eine französisch-spanische Invasionsflotte 1684 dem Spuk ein Ende setzen sollte. Nassau als Hochburg der Piraten wurde zwar zerstört, drei Jahre später jedoch wieder aufgebaut. Auch zwei weitere Versuche der Spanier 1695 und 1703, mit der Zerstörung der Kolonie den Piraten-Überfällen ein Ende zu setzen, schlug fehl. Und es kam noch schlimmer: Zwischenzeitlich übernahmen die rund 2000 Freibeuter sogar die gänzliche Kontrolle über die Bahamas! Das Ende der Piratenzeit erreichte erst 1717 Woodes Rogers, selbst ehemals Pirat, nun jedoch Krongouverneur der neu ausgerufenen britischen Kronkolonie. Er bot den Freibeutern Straffreiheit, wenn sie sich ergeben. Einige Kapitäne, darunter Blackbeard wiedersetzten sich jedoch dem Angebot und wurden daraufhin von Rogers verfolgt und hingerichtet. Die Ära der Freibeuterei war damit beendet, sodass 1728 zum ersten Mal Parlamentswahlen stattfinden konnten.

Aufgrund der kargen landwirtschaftlichen Bedingungen basierte die Wirtschaft der Bahamas in den folgenden Jahren jedoch hauptsächlich auf Schmuggel. Erst profitierten die Inseln vom Schmuggelhandel mit den spanischen und französischen Kolonien, dann vom Alkohol-Schmuggel während der Prohibition in den USA. Mit der ersten Flugverbindung auf die Bahamas 1929 der Pan American Airways sowie dem Ausbau von Schiffsverbindungen trat dann ein ganz neuer und viel ehrenvollerer Wirtschaftszweig an die Stelle der wichtigsten Einnahmequelle: der Tourismus.

Die Bahamas sind ein sehr religiöses Land. So sollen die Inseln die höchste Anzahl von Kirchen pro Einwohner weltweit aufweisen. Dabei formen die Baptisten die größte christliche Kirche - gefolgt von Anglikanern, Katholiken, Methodisten und den Adventisten. Daneben gibt es eine große Zahl an Sekten. Oft ist der Gottesdienst für europäische Augen und Ohren sehr lebhaft - Händeklatschen, rhythmische Musik und leidenschaftlich vorgetragene Lieder inklusive. Es ist nicht ungewöhnlich, dass einige Gläubige den "Geist erhalten". Sie fallen dabei in einen Trancezustand, der sich durch Zungenreden, unkontrolliertes Tanzen und Ohnmachtsanfälle auszeichnet. Und es gibt noch wahrhaft Geheimnisvolles: den im Versteckten praktizierten okkulten Glauben ‚Obeah’, eine Art Zauberei, die oft mit dem haitianischen Voodoo verglichen wird.

Ganz profan sind wiederum Kunst und Kultur auf den Bahamas. Beweise dafür finden Sie in lokalen Kunstausstellungen wie der National Art Gallery of The Bahamas in Nassau. Die Zentralbank der Bahamas unterhält ebenfalls eine Galerie und veranstaltet des Öfteren Kunstausstellungen für einheimische Künstler. Darüber hinaus finden Sie auf fast allen bewohnten Inseln traditionelles Handwerk wie Stroharbeiten, wobei jedes Eiland seine individuelle Flechttechnik besitzt. Es werden Hüte, Körbe, Taschen und andere Haushaltsgegenstände gefertigt. Einige der Stroharbeiten und Holzschnitzereien werden auf dem großen Strohmarkt in Nassau, aber natürlich auch auf kleineren Märkten in fast allen touristischen Gegenden verkauft.

Ähnlich den Gottesdiensten geht es bei der Musik auf den tropischen Inseln in der Karibik hoch her: Die beliebteste Musik ist hierbei der Junkanoo, der auf afrikanische Einflüsse zurückgeht. Daneben können Sie aber noch andere karibische Rhythmen wie Calypso, Trinidad Soca und Jamaika Reggae sowie von Amerika inspirierten Rap und Hip Hop hören. Ein typischer bahamesischer Musikstil ist jedoch der sogenannte Rake 'N' Scrape, der seinen Ursprung auf den Cat Islands hat. Normalerweise schlagen Rake 'N' Scrape-Musiker die Goombay-Trommel, kratzen an der Zimmermannssäge und spielen Melodien auf der Ziehharmonika. Und das ist nun wirklich ein Spektakel – am besten Sie überzeugen sich selbst vor Ort davon!

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